Ernst Uehli (geb. 4. Mai 1875 in Andelfingen, gest. 16. November 1959 in Zürich) war Beamter, Waldorflehrer und Schriftsteller.
Kreis um Fidus
1904 war Uehli, der damals als Zollbeamter arbeitete, mit Elsbeth Lehmann, später die zweite Frau von Fidus, befreundet. Er besuchte mit ihr Fidus in Zürich.
Später stand er mit Fidus in schriftlichem Kontakt. Die erhaltene Korrespondenz befindet sich heute im Archiv der deutschen Jugendbewegung, AdJb, N 38, 118.
Durch die Zeitschrift Junge Schweiz wurde er auf den Arzt Fritz Brupbacher aufmerksam, den er in Kilchberg besuchte und dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.
Karl Henckell
Theosophie
1905 hörte Uehli in St. Gallen erstmals Vorträge von Rudolf Steiner.
Das erste Schuljahr besuchte Uehli in Bern. Nachdem der Vater den Entschluss gefasst hatte, mit dem ältesten Sohn nach Amerika auszuwandern, zog die Mutter mit den fünf zurückbleibenden Kindern nach Hallau im Schaffhausischen Klettgau. Nach der Schule machte er eine dreijährige kaufmännische Lehre in Bern. Er wurde Mitglied des Literarischen Freundschaftsbunds, einem Klub im Umfeld des kaufmännischen Vereins.
Nach einer Tätigkeit als Volontär in einer Weinhandlung in La Chaux de Fonds arbeitete er ab 1896 während zehn Jahren in den Zollverwaltungen in Romanshorn am Bodensee und in Zürich.1
Als Uehli 1908 aus beruflichen Gründen nach Zürich übersiedelte, kam er in engen Kontakt zur dortigen Theosophischen Gesellschaft. 1910 wurde er Leiter des Zschokke-Zweiges in Zürich. 1911 bis 1919 ging er auf Rat Steiners nach München in das von Felix Peipers geleitete Ärztehaus, wo er einen blinden und epileptischen jungen Mann betreute. Darüber erschien 1918 in München seine erste Buchveröffentlichung Ein Sohn des Schicksals. Zudem begann er in München Vorträge zu geistesgeschichtlichen Themen zu halten.
1919 gehörte Uehli zu den Mitunterzeichners des Aufrufs An das Schweizer Volk von Rudolf Steiner, der in der Neuen Zürcher Zeitung erschien.2
1913 heiratete er die acht Jahre jüngere, aus Wien stammende Ernestine Baudisch, mit der er zwei Söhne hatte.
1919 bis 1922 war Uehli Redakteur der Zeitschrift Dreigliederung des Sozialen Organismus und ab Januar 1921 Leiter des Bundes für soziale Dreigliederung in Stuttgart. Zudem gehörte er zu den Mitbegründern der Zeitschrift Die Drei, die im Oktober 1921 entstand und die er bis 1923 redigierte, und redigiert 1922/23 die Zeitschrift Anthroposophie. Von 1921 bis 1923 war er im Zentralvorstand der deutschen Landesgesellschaft tätig. Von 1924 bis 1937 wirkte er als Lehrer an der Stuttgarter Waldorfschule, zunächst für Religion, dann neben Deutsch und Literatur vor allem für Geschichte und Kunstgeschichte an der Oberstufe.
1937 kehrte er in die Schweiz zurück und war als freier Schriftsteller und Vortragsredner tätig. Die Schwerpunkte seiner Arbeit waren nun Kulturgeschichte und Anthroposophie. 1939 liess er sich scheiden und ging seine zweite Ehe mit der aus Dresden stammende Eurythmistin Erna Elisabeth Schnell ein. Uehli war mit dem Komponisten Robert Blum befreundet, der etwa eine Musik zu Der Kristall der sieben Einsamkeiten komponierte.
Die Angaben zur Biographie beruhen derzeit zu grossen Teilen der Biographie von Andreas Dollfus der Biographien Dokumentation der Forschungsstelle Kulturimpuls.
Veröffentlichungen
- Ein Sohn des Schicksals, München 1918.
- Rudolf Steiner als Künstler, 1922.
- Nordisch-germanische Mythologie als Mysteriengeschichte, Basel 1926.
- Die Mosaiken von Ravenna, Basel 1934.
- Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst. Versuch einer Mysteriengeschichte der Urzeit Europas, Stuttgart 1936.
- Vorzeit der Schweiz, Zürich 1942.
- Kultur und Kunst Ägyptens. Ein Isisgeheimnis, Dornach 1955.
- Der Kristall der sieben Einsamkeiten. Ein Lebensmythos., Winterthur 1955. Mit sieben Zeichnungen von Hans Wildermann.
- Mythos und Kunst der Griechen im Geiste ihrer Mysterien, Dornach 1958.
– – Und Gott sprach. 1930. Zusammen mit Caroline von Heydebrand. Lesebuch, das in vielen Rudolf Steiner- und Waldorfschulen benützt wird. – – Zwischen Sphinx und Gral. Goetheanum-Bücherei. Stuttgart 1922. – Eine neue Gralssuche. Goetheanum Bücherei. Stuttgart 1921. – Die Geburt der Individualität aus dem Mythos. München 1916.
Zeitschriftenartikel
Das Parcival-Ereignis. In: Das Reich, 3. Jahr, Januar 1919.
- Die Drei, Beiträge von Uehli in der Zeitschrift.
- „Dreigliederung und Oberschlesien“, in: Dreigliederung des Sozialen Organismus, 2. Jahrgang, 5. April 1921, Nr. 40, S. 3–4, Online.
Literatur
- Kurt Brodbeck, „Kulturhistoriker und Mythologe. Zum hundertsten Geburtstag Ernst Uehlis am 4. Mai 1975“, in: Der Bund (Bern), 126. Jahrg., 4. Mai 1975, Nr. 102, S. 50. Online
- Erika Beltle: Ernst Uehli (4. Mai 1875 – 16. Nov 1959). In: Mitteilungen, 14. Jg., 1960, Nr. 53, S. 138-142. – Leben und Gestaltung. Festschrift zum siebzigsten Geburtstag überreicht von Freunden und Verehrern. 4. Mai 1945, Bern 1945.
Links
- Ernst Uehli, Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia.
- Ernst Uehli, Beitrag von Andreas Dollfus für Biographien Dokumentation der Forschungsstelle Kulturimpuls.
Uehli und wie weiter?, Michael Eggert zu Ernst Uehlis „Atlantis-Buch“ und den Reaktionen auf seinen kritischen Artikel.
Steiners Erzengel, Artikel von Peter Nowak, erschienen in: Freitag, 28. Juli 2000.