Die neue Zeit

Die neue Zeit

Es hat ein Hammer ausgeschlagen
Im menschlichen Maschinensaal,
Der Ambos klang, und fortgetragen
Wird sein Getön von Thal zu Thal.
Die Berge zittern seinem Dröhnen,
Die Meere wälzen seinen Ruf;
Er bebt an’s Ohr der Erde Söhnen
Und lebt im Schönen, das er schuf.

Aus ihrem dunklen Mutterschoße
Wächst auf zur Kraft durch Noth und Leid,
Mit Muth gesäugt, die schöne, große,
Freiblickende, die neue Zeit.
Der Dampf umbraust des Kindes Wiege,
Zur Hochzeit blüh’n ihr sternenklar
Zum selt’nen Lohn vollkomm’ner Siege
Leuchtblumenketten durch das Haar.

Glückauf, du junge Zeit der Milde,
Der Unschuld, die nur Wahrheit kennt,
Die nach dem kühnen Geistesbilde
Licht höher zu gestalten brennt!
Wir richten unser Haupt zum Gruße
Entgegen Deiner edlen Zier,
Wir streuen Blüthen Deinem Fuße
Und huldigen und psalmiren Dir.

Arbeiterinnen-Zeitung (Wien), 11. Jahrg., 2. Januar 1902, Nr. 1, S. 5. Online


Letzte Änderung: 10. September 2025.