Jüdische Spitalpflege in Zürich. (Korr.) In Zürich hat sich unter dem Namen „Jüdische Spitalpflege“ ein Verein konstituiert, der ein provisorisches Komitee mit Rabbiner Dr. Littmann als Vorsitzenden bestellt hat. Der Verein hat mit dem Bethanienverein einen Vertrag abgeschlossen, wonach im Erweiterungsbau des Bethanienheims an der Restelbergstraße den israelitischen Kranken eine Anzahl Räume zur Verfügung gestellt werden zur rituellen Verpflegung der Patienten. Die neuen Räume werden auf 1. September bezugsbereit. Die jüdische Gemeinde eröffnet mit 1. Oktober daselbst eine kleine rituelle Abteilung. In dem mit allen hygienischen Einrichtungen versehenen Spitalbau sind im Parterre zwei extra für jüdische Patienten eingebaute Küchen mit Speisekammern vorhanden, ein Zimmer für die jüdische Köchin, ein besonderer Speiseaufzug, und im 1. Stock stehen zwei große Zimmer mit 2 bis 3 Betten als allgemeine Abteilung der jüdischen Spitalpflege zur Verfügung. Israelitische Patienten können sich zudem in der Privatabteilung aufnehmen und sich dort rituell verpflegen lassen. Die Pflege der Kranken besorgen die Schwestern des Bethanienheimes; die Wahl der Aerzte ist freigegeben. Der Verein jüdische Spitalpflege hat dem Bethanienheim als Entschädigung für die Extrabauten und die Einrichtung der Küche einen einmaligen Beitrag von 7000 Fr. zu entrichten; die jährlichen Ausgaben und Betriebskosten sind auf 12 000 Fr. voranschlagt.
Neue Zürcher Zeitung, 151. Jahrg., 29. Juli 1930, Nr. 1481, S. 6. Online