Adolf Damaschke

Adolf Damaschke, um 1915.

Adolf Damaschke, um 1915.

Adolf Damaschke (1865-1935) war eine führende Persönlichkeit sowohl der Bodenreform- als auch der Naturheilkunde-Bewegung in Deutschland. In einen Aufsatz, der 1928 erschienen ist, dem Jahr, in dem Fidus seinen 60. Geburtstag feiern konnte, erinnert er sich, dass Josua Klein einmal bei ihm aufgetaucht sei und ihm erzählt habe, dass er von einem Baron 500 000 Franken erhalten habe für den Aufbau einer bodenreformerischen Musterkolonie, die zudem „die kulturelle Blüte darstelle, die gesunder sozialer Grundlage entspringen könne und müsse“.1

Zwar hatte Damaschke es abgelehnt, die Siedlung zu unterstützen, da aber Paul Schirrmeister, ebenfalls ein engagierter Vertreter der Bodenreform und Naturheilkunde, sowie dessen Schwager Paul Lindtner sich daran beteiligten, schien ihm wenigstens die wirtschaftliche Seite der Siedlung in gute Hände zu kommen.

Auf der Rückfahrt ihrer Hochzeitsreise 1904 nach Lugano besuchten Damaschke und seine Frau die Siedlung von Klein. Enttäuscht über die Begegnung mit ihm fuhren die beiden bereits am nächsten Tag nach Zürich. Über die Situation dort berichtet Damaschke:

In Zürich hatte sich um das Ehepaar Fidus und um Gertrud Prellwitz ein ganzer Kreis von Ausgestoßenen gebildet. In ihm verlebten wir einen Abend voll eigenen Reizes. Wunderliche Dinge wurden von Josua Kleins Herrschaft berichtet. Wer auch nur das leiseste Bedenken äußerte, fiel in höchste Ungnade. Ein Wort des Widerspruchs aber reizte ihn so, daß er z. B. einen höheren Beamten, der viel für ihn geopfert hatte, mit der Peitsche als Aufrührer von der Siedlung trieb, die mit allen Rechten eben auf den Namen Josua Kleins geschrieben war. Als Gertrud Prellwitz, sich einmal in ihrem Gewissen gezwungen fühlte, wegen Angaben, die sie als unzutreffend erkannte, Einspruch zu erheben, und dabei in ihrer Art „flammend“ wurde, mußte sie noch in derselben Stunde die Siedlung verlassen: „Nicht eine Nacht mehr unter diesem Dache!“

Und Damaschke fährt fort:

Und doch stand man immer noch unter einem gewissen Einfluß des merkwürdigen Mannes. Wie war ich betroffen, als beim nächtlichen Spaziergang am Ufer des Sees jemand aus diesem Kreise ganz ernsthaft und nicht ohne Bangigkeit sagte: „Ich bin sicher, er weiß da oben jedes Wort, das wir hier unten über ihn sprechen!“

Brief von Adolf Damaschke, 25. Juli 1925.

Brief von Adolf Damaschke, 25. Juli 1925.


In einem Brief an Fidus kündigte Damaschke 1925 an, dass er in seinen Lebenserinnerungen über den „merkwürdigen Besuch in Amden“ berichten werde:2

Sie waren ja hervorragend daran beteiligt. Würden Sie mir nicht die Freude machen, mit Ihrer verehrten Gattin recht bald gemütlich zu einer Tasse Tee zu uns zu kommen, wo wir ganz allein sind und wir miteinander von alten Zeiten plaudern können? Wenn Sie aber wollen kommen meine Frau und ich auch zu Ihnen heraus. Es scheint doch wichtig, dass ich jene Episode möglichst zutreffend darstelle, und wenn ich dabei von Ihnen und Ihren Arbeiten berichten kann, so würde mich das ganz besonders freuen.

Links

Bild: Wikimedia, Norddeutsche Monatshefte. Bd. 2 (1915), Dezember-Heft, S. 600f. Online

  1. Adolf Damaschke, „Auch eine Hochzeitsreise“, in: Der Türmer, 30. Jahrg., Mai 1928, S. 104. []
  2. Brief vom 25. Juni 1925, Archiv der deutschen Jugendbewegung, AdJb, N 38, 211. Online []

Letzte Änderung: 21. Juni 2026.