1897 oder 1898 veröffentlichte Karl Henckell eine Serie von zwölf Postkarten mit Porträts und Versen von Dichtern und einer Dichterin. Die Rahmenzeichnungen der Porträts stammten zum Teil von Fidus. Henckell hinterlegte Karten mit Erscheinungsdatum 30. Dezember 1897 als geistiges Eigentum.1
Die Karten wurden in verschiedenen Farben gedruckt, wobei einzelne Motive in verschiedenen Farben bekannt sind. Vertrieben wurden sie als Serie von 12 Karten in einem Umschlag für 1 Franken, Mäppchen mit 24 Karten (zwei Karten pro Motiv) und als einzelne Karten.
Die ausgewählten Dichter waren Heinrich Heine, Nikolaus Lenau, Friedrich Hölderlin, Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer, Novalis, Ludwig Uhland, Adalbert von Chamisso, Hermann Lingg, Alfred de Musset, Robert Burns und die Dichterin Ada Negri.
Die Karten erschienen als Ergänzung zur Gedichtsammlung [[Sonnenblumen]], die Henckell seit Oktober 1895 verlegte, und erhielten deshalb die Bezeichnung Sonnenblumen-Postkarten.
Wie seinen Gedichtbänden stellte er auch diesem Projekt eine Art Vowort in Versform voran:
Soll die Welt durchdringen
Sinnvoll schönes Sein,
In den kleinsten Dingen
Laß die Kunst herein!
Nicht in „höhern Sphären“
Weltfremd throne sie,
Auf den Hausaltären
Heimisch wohne sie.
Hauch der Dichter streife
Deine Seele nah,
Nur zur Feder greife,
Und der Gott ist da.
Auf der Karte schwingen
So von Hand zu Hand
Mag dein Wort umschlingen
Zarter Musen Band!
Besprechungen und Hinweise
- Sonnenblumen Postkarten, in: Neue Zürcher Zeitung, 119. Jahrg., 23. Januar 1898, Beilage zu Nr. 23, S. 2.
- Litterarische Postkarten, in: Der Bund (Bern), 49. Jahrg., 7. Februar 1898, Nr. 37, S. 2.
- Sonnenblumen-Postkarten, in: Berner Tagwacht, 26. März 1898.
- “Sonnenblumen“, in: Internationale Postkarten-Zeitung, 1. Jahrg., 15. Mai 1898, Nr. 4, S. 27.
Bild: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 1898. Digitalisat.

