Gründung des „Vereines jüdischer Schrebergärten“ in Wien
Dieser Tage ist ein neuer Verein ins Leben getreten, der versucht, praktische Gegenwartsarbeit mit praktischer Zukunftsarbeit zu verbinden. Der „Verein jüdischer Schrebergärten“ will jüdische Kinder beiderlei Geschlechtes von 9 Jahren aufwärts sammeln und auf von der Wiener Gemeinde hiezu überlassenen Gründen unter Leitung von Aufsichtspersonen Schrebergärten errichten lassen. Für die Kinder bedeutet das Bewegung in frischer Luft, Behütung vor den Gefahren der Gasse, Gewinnung manueller Geschicklichkeit und Befreundung mit der Natur; für deren Eltern einen gewiß nicht überflüssigen Beitrag zur Küche und für uns die Hoffnung, daß so manches Kind auf fremder Erde lernt, wie es dereinst in unserem Vateriande den Schößling in die Erde legen soll. So können und sollen alle in dem Zwecke des Vereines gewinnen. Das hiezu jedoch größere Mittel nötig sind und diese nur durch ausgiebige Beteiligung von Mitgliedern und deren Eintritt in den Verein geschaffen werden können, bedarf keiner Auseinandersetzung. Die Statuten des Vereines, sowie die Bedingungen, unter welchen Kinder als Schrebergärtner aufgenommen werden, können jederzeit den Interessenten mündlich oder schriftlich gegen Anfrage beim „Verein Jüdischer Schrebergärten“, Wien, II., Zirkusgasse 33 übermittelt werden.
Jüdische Zeitung (Wien), 11. Jahrg., 21. Dezember 1917, Nr. 51, S. 3. Online