Winterweihe
In diesen Wintertagen
Nun sich das Licht verhüllt,
Laß uns im Herzen tragen,
Einander traulich sagen,
Was uns mit innerm Licht erfüllt!
Was milde Glut entzündet,
Soll brennen sort und fort,
Was Seelen zart verbündet
Und Geistesbrücken gründet,
Sei unser leises Losungswort.
Das Rad der Zeit mag rollen,
Wir greifen kaum hinein…
Dem Schein der Welt verschollen
Auf unserm Eiland wollen
Wir Tag und Nacht der sel’gcn Liebe weih’n.
Zürich, November 1897.
Karl kenckell, Zürich.
Die Schweiz, 1. Bd., 1897, S. 347. Online